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Das Netz vergisst, verschiebt und versteckt doch!

 

Seit den frühen Tagen des Internet geistert bei vielen Usern noch immer die Vorstellung der dauerhaft haltbareren Links. Der Link wurde als feststehende Adressierung eines Artikels, Inhaltes oder Websites erachtet.  Diese Zeiten sind schon lange vorbei und jeder kennt das Phänomen das alte Links ins digitale Nirwana führen und dies oft schon nach ein paar Tagen. Seit dem Web 2.0 hat der Link als dauerhafte Adressierung  sowieso an langfristigem Wert verloren, doch dazu später...

 

Das Netz ist in seinen Ausprägungen einfach vielfältiger und vor allem dynamischer geworden und dies hat natürlich auch Folgen für die sogenannte Verlinkung. Eine URL-Adresse (Also der klassische Link) als dauerhafte Adressierung und zum Auffinden von Inhalten ist oft nur in den wenigen Fällen mehr als ein paar Tage von wert.  Zuerst die wichtigsten Probleme bei der Adressierung:

 

Blog und Nachrichtenseiten sowie Forenadressierung

In vielen Blogs und Foren und Websites wandert ein Artikel bereits beim nächsten Artikel in ein Archiv oder Rubrik und die Url-Adresse führt dann oft nur auf neue Artikel oder ins nichts. Der Artikel ist natürlich oft noch online, besitzt aber eine andere URL und nicht mehr die der Frontseite oder der Rubrikseite, oder muss dann über die Archivseite oder Scrollfahnen oder Timelines bzw.  die Suchfunktion innerhalb der Website aufgesucht werden.  Hierzu werden aber dann die passenden Suchbegriffe wie Autor, Thema bzw. andere Stichpunkte benötigt. Diese sind aber in der URL selten enthalten und der Artikel und Inhalt bleiben so unauffindbar.

Nur wenige Blogs und Webseiten bemühen sich dabei um den Erhalt der ursprünglichen Url. (Wird allerdings langsam bei großen Plattformen besser) Manchmal hat man Glück das einem Artikel eine eigene URL dauerhaft zugewiesen bekommt, dazu muss er allerding oft spezifisch aufgerufen werden (z.B: Auf die Überschrift klicken etc.) welches aber keine Garantie für die langzeitige Funktion der URL ist.

 

Content Managment Seiten

Die Verwaltung von Internetinhalten wird auf vielen Internetportalen durch Datenbanken und zugehörige Algorithmen erledigt. Diese weisen dem jeweiligen Inhalten ein oft komplexes System von Relevanzen und Kategorien zu und platzieren den Inhalt entsprechend in jeweilige Rubriken. Diese ändern sich oft aber durch die Kommentare bzw. der Weiterleitung. Damit ändert sich aber oft auch die URL bzw. diese führt zu einer ganzen Ansammlung von Inhalten in welchen erneut gesucht werden muss. Wiederum sind dazu die der URL fehlende Begriffe und Stichpunkte nötig die den Inhalt im System auffindbar machen.

 

Kurz-Url-Dienste

Viele Internetseiten benützen inzwischen eigene automatische Kurz-Url-Dienste  oder die User selbst tun es bei der Verwendung von Links. Diese Dienste kürzen eine Url erheblich ab, aber sind kaum lesbar.

http://goo.gl/22UEj1 gibt zum Beispiel diese Url-adresse den Forbes Artikel der Top Web Designs wieder und sagt durch die Verkürzung nichts über den Inhalt aus. Im Vollformat wäre diese nämlich:
http://www.forbes.com/sites/thesba/2014/02/10/top-web-design-trends-in-2...

 

Inzwischen benutzen einige Webplattformen diese Kurz-URls bereits sehr häufig um auch in Twitter und anderen Sozialen Medien und im Handyformat leichter handlebar u sein. Ist der Inhalt inzwischen  verschoben oder anders eingeordnet ist die URL wertlos. Er verrät nicht einmal auf welcher Internetseite oder mit welchem Thema man suchen könnte.

 

Der sogenannte Long-Long Link

Er ist das Gegenproblem zum Kurz-Url-Dienst. Der ewig lange oft über mehrere Zeilen gehende URL-Link bereitet manchen System einfach Schwierigkeiten da er oft durch die Formatierung (Trennstriche etc.) zerissen wird oder über Anzeigenmasken unleserlich hinausgeht. Am Handy sorgt er meist sowieso für Probleme, aber er wird immer oft noch generiert. Vom Abtippwahnsinn abgesehen ist er einfach oft unbrauchbar besonders wenn er aus endlosen Zahlenkolonnen oder kryptischen Abkürzungen besteht.

 

Zertifikate laufen aus oder werden ungültig.

Inzwischen ist es üblich geworden über gesicherte Verbindungen auch im Web zu surfen. Wenn allerdings dabei Probleme auftreten sind einige Websites nicht mehr aufrufbar. Sie sind entweder nur noch ungesichert aufrufbar, da das Zertifikat ungültig ist, haben ihre Domain gewechselt oder die automatische Weiterleitung unterstützt nicht alle Zertifikate etc. Sie sind allerdings noch online aber eben auf andere Weise oder an einem anderen Ort. Jetzt bringt uns der klassische URL-Link schnell in eine Sackgasse. Besonders dann wenn unser eigenes System auf zertifizierte Kommunikation besteht.

 

Versionen und Aktualisierungen oder Fehl-Links

Selbst bei funktionierender URL ist das Ergebnis oft nicht das gewollte. Gerade im Web 2.0 und  Fachplattformen werden Texte und Inhalte oft nachbearbeitet und oder aktualisiert. Dabei werden Schwerpunkte verändert oder Inhalte neu gewertet. Kurzum der Inhalt ist nicht mehr derselbe. So ein editierter Inhalt kann erheblich zu Verwirrung führen. Daher ist in vielen Webseiten ein Datum des Inhaltes bzw eine Versionsnummer oder ein Bearbeitet-Symbol angegeben. In einer URL fehlt dies und der User ahnt nicht einmal, dass es eine überarbeitete Version oder schlimmer eine völlig anderer Inhalt ist.

 

Dubletten

Im Internet ist es durchaus üblich fremde Inhalte direkt in das eigene System zu übernehmen. Diese werden nicht nur verlinkt sondern tatsächlich oft neu gespeichert. Es gibt dazu inzwischen eigene Anbieter die gerade im wissenschaftlichen Bereich das Sharingprinzip als eine eigenen Content- also Inhalteangebot anbieten.  So wird über Blogs, Webmagazine und Archive hinweg der Artikel oder Inhalt tatsächlich kopiert. Im Grunde ist es wie bei den Nachrichtenagenturen nur eben in der unübersichtlichen Welt des Web wie es heute existiert. So kann ein Artikel auf einer Plattform verschwinden, aber  an mannigfaltigen Orten weiter abrufbar sein. Eine Url hilft da nicht wirklich weiter. Wir kennen dies inzwischen ja alle über die verschiedenen Videoplattformen zum Thema Löschen und Urheberrechte.

 

Wie also richtig aus dem Web dauerhafter Inhalte adressieren ?

 

Analoge Adressierung (Druck, Plakat, Arbeitspapiere etc.)

Die Url ist oftlangfristig  unbrauchbar, also immer Autor, Plattform, Thema / Überschrift, Datum etc  lesbar mit angeben. Falls noch analog adressiert werden muss, also gedruckt bzw. geschrieben übermittelt wird macht die URL von vorneherein oft keinen Sinn, da sie ja nicht mal als Versuch anklickbar ist. Die Begeisterung eines Lesers kann man sich ja vorstellen, wenn er nach dem eintippen eines langen Linkes kein Ergebnis erlangt.

Inzwischen sind die Suchmaschinen so fortgeschritten, dass sie die zuverlässigere Adressierung liefern wenn die Suchbegriffe mitgegeben werden. Leider gibt es ein einigen Institutionen Lehranstalten sowie Behörden eine Konzentrierung auf die  URL-Vorgaben, aber diese werden immer weniger. Sie offenbaren aus oben genannten Gründen in analogen Medien ein Zeichen für wenig aktuelle Medienkompetenz bei ihren Mitarbeitern. (Abgesehen davon, dass sie in der Annahme überhaupt noch in Papierform arbeiten.) Wenn Sie diese Vorgaben nicht vorfindet können Sie sich im analogen Bereich vom langfristigen Gebrauch der URL verabschieden, was inzwischen durchaus üblich ist. Da macht es ja durch die Kurzlebigkeit bald mehr Sinn, diese als Anhang ebenfalls im Papierform zu liefern.

 

Digitale Adressierung (Web, Email, Postings und Dateien)

Die Url ist ist kurzlebig und oft unbrauchbar, also immer Autor, Plattform, Thema / Überschrift, Datum, Kategorie mit angeben. Googeln oder eine andere Suchmaschine zu verwenden sollte im 21. Jahrhundert wohl allen schnell und leicht von der Hand gehen, vor allen wenn die Suchbegriffe bereits passend geliefert werden. Oft kommt man mit der Suchmaschine langfristig weiter als mit der URl. Manchmal macht es durchaus Sinn den Inhalt in ein Begleit-PDF oder anderem digitalem Anhang anzufügen, wenn es langfristig von Wert sein soll. Paste und Copy ist ja auch keine große Sache mehr. Das Internet vergisst eben doch…

 

Diakon und Medienpadagoge
Robert Kathmann

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